Pressetext / Hintergrundinformation AIB

1. Vorwort

Eine psychische Erkrankung kann Menschen in allen Lebensphasen treffen. Noch heute werden Menschen mit psychischen Problemen wie bei kaum einer anderen Erkrankung ausgegrenzt. Aus dieser Situation heraus entstehen insbesondere auf dem primären Arbeitsmarkt soziale Probleme, die von den Betroffenen aus eigener Kraft nicht bewältigt werden können.


Angesichts des Wandels der Erwerbsgesellschaft mit ihren vielen neuen Berufsbildern stellt sich für psychisch beeinträchtigte Menschen häufig das Problem gestiegener beruflicher Anforderungen. Anforderungen, mit denen es den Betroffenen schwer fällt im ersten Arbeitsmarkt mitzuhalten. Hingegen lässt ein Leben ohne Zeitstruktur und ohne sinnvolle Beschäftigung die Persönlichkeit der Betroffenen desintegrieren.

2. Träger- Psychosoziale Zentrum Schiltern Ges.m.b.H.

Die Psychosoziale Zentrum Schiltern Ges.m.b.H. (PSZ) wurde 1987 gegründet und ist im Barockschloss Schiltern untergebracht. Dieses wurde mit Strukturförderungsmitteln des Landes NÖ renoviert und widmet sich seither der Betreuung sowie Förderung psychisch beeinträchtigter Menschen.

 

Seit 1992 wird von der PSZ Schiltern Ges.m.b.H. das Arbeitstrainingszentrum (ATZ) und das Seminarzentrum geführt.

 

Im Jahr 1999 wurde das Arbeitstraining mit einer Integrationsbegleitung (VIB) ergänzt. Die VIB unterstützt die TeilnehmerInnen des Arbeitstrainingszentrums Schiltern beim (Wieder-) Einstieg ins Berufsleben.

 

Seit Oktober 2000 wird im Auftrag des AMS die Arbeitsdiagnostische Abklärungsmaßnahme (ADA) angeboten. ADA ist ein Projekt zur beruflichen Integrationsplanung mittels Arbeitsfähigkeitsanalyse für jene Menschen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind.

 

Zum PSZ Schiltern gehürt auch der ATZ-Laden mit Standort in Krems. Der Laden bietet ein Bügelservice, eine Stickerei und verkauft Produkte aus dem Arbeitstrainingszentrum und diversen anderen sozialen Einrichtungen.

 

GesellschafterInnen der Psychosozialen Zentrum Schiltern Ges.m.b.H. sind die Caritas der Diözese St. Pölten, die Wirtschaftskammer NÖ, die Landeshypothekenbank NÖ und die Stadtgemeinde Langenlois.

3. Projektbeschreibung

Die AIB Aktivierende Individuelle Beschäftigung - ist eine Maßnahme, die im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten Arbeit anbietet, wobei Arbeit als strukturgebendes, aktivierendes Element zu sehen ist.

 

Die geplante Einrichtung spricht Betroffene mit finanzieller Grundabsicherung (AMS-Bezug, Pension, Sozialhilfe) an. ProjektteilnehmerInnen der AIB können untereinander neue Kontakte knüpfen, und durch eine stundenweise Beschäftigung im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten neue Wege aus der privaten Situation heraus, zurück in die Arbeitswelt finden. Und dies im Rahmen einer strukturgebenden Maßnahme ohne Erwerbsdruck, denn für Betroffene geht es nicht nur um berufliche Weiterentwicklung, sondern um ein vielfältiges und anpassungsfähiges Angebot, sowie die benötigte Zeit für das Arbeiten mit dem Wissen eine psychischen Erkrankung zu haben.

 

Dabei handelt es sich vor allem um jene Aspekte, die erfahrungsgemäß von psychisch kranken Menschen im primären Arbeitsmarkt schwer zu überwinden sind. Viele Betroffene fühlen sich unter Druck gesetzt, verlieren ihre Motivation, haben Angst ihre Arbeit zu verlieren und sozial abzusteigen. Als Folge dessen sind sie in ihrer Stabilität gefährdet.

 

Aus Sicht Betroffener wird immer wieder das Fehlen einer sinnvollen und wertvollen Arbeit und damit einhergehender sozialer Beziehungen genannt. Das Gefühl der Bestätigung in der Arbeit und die Anerkennung durch Andere sind wichtige Aspekte, um sozial eingebunden zu sein. Um dieser Situation der Ausgrenzung entgegenwirken zu können und eine gesundheitsstabilisierende Wirkung zu erzielen, will das Projekt mit seinen verschiedenen strukturgebenden Beschäftigungsmöglichkeiten weitere Lücken in der Arbeitswelt psychisch kranker Personen im Raum Krems schließen.

4. Projektziele

In der Arbeit mit den TeilnehmerInnen des Projektes wurden folgende Ziele festgelegt:

  • Die Abklärung der persönlichen Ressourcen der TeilnehmerInnen
  • Die Vermeidung von Leistungsdruck durch die Entkoppelung vom primären Arbeitsmarkt für die TeilnehmerInnen.
  • Stabilisierung der gesundheitlichen Situation und damit einhergehend eine Verbesserung der Lebensqualität
  • Erarbeitung einer realistischen Zukunftsperspektive in Form von sozialpädagogischen Betreuungsangeboten.
  • Eigenerwirtschaftung: Den TeilnehmerInnen wird aufgezeigt, dass sie einer verwertbaren Tätigkeit nachgehen, und ein Teil der Erwerbsgesellschaft sind. Das Gefühl gebraucht zu werden, und etwas von Wert zu schaffen kann die soziale Anerkennung der Betroffenen enorm steigern.

 

 

 

5. Zielgruppe

Die Angebote der AIB sollen Menschen mit psychischen Erkrankung eine Beschäftigung bieten, die 

  • kein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis haben und eines annehmen können
  • im primären Arbeitsmarkt erheblichen Einschränkungen in ihrer Arbeitsfähigkeit unterliegen
  • eine Grundabsicherung in Form von Sozialhilfe, Arbeitslosengeld oder Pension haben
  • trotz ihrer krankheitsbedingten Einschränkungen motiviert am Arbeitsleben teilhaben wollen

Das Angebot richtet sich an Personen zwischen 18 und 60 Jahren, die Mindestanforderungen der Arbeitsbereiche bewältigen können.

 

In ein Beschäftigungsverhältnis können keine Personen aufgenommen werden, die 

  • sich in einer akuten psychischen Krise befinden
  • an einem akutem Suchtverhalten leiden
  • obdachlos sind
  • oder eine intellektuelle Behinderung haben.

 

6. Rahmenbedingungen

Befristete Dienstverhältnisse:

150 Wochenarbeitsstunden (33,3%)

Befristete Arbeitsverträge werden für einen Zeitraum bis zu 3 Jahren vergeben. Diese Teilzeitarbeitsplätze bieten Betroffenen eine sinnvolle und strukturgebende Arbeit die eine Vermittlung in den primären Arbeitsmarkt anstreben, jedoch auf Grund ihrer Erkrankung eine sozialpädagogische Begleitung und Betreuung zur Unterstützung benötigen.

 
Unbefristete Dienstverhältnisse:

300 Wochenarbeitsstunden (66,7%)

Die Besonderheit von unbefristeten Arbeitsverträgen bietet TeilnehmerInnen die Möglichkeit, trotz schwerer chronischer psychischer Erkrankung eine langfristige Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit zu schaffen. Betroffene, die finanziell abgesichert sind und einen Teilzeitarbeitsplatz im Projekt annehmen, werden in der Regel mehr soziale Anerkennung haben und das Gefühl erhalten, eine wertvolle und „verwertbare“ Tätigkeit auszuüben.
 

7. Arbeitsbereiche

Bügelservice

Wie bereits im ATZ-Laden erprobt bietet dieser Bereich das Bügeln von Wäsche an.  Das Waschen ist nicht im Angebot. Angenommen werden die Bügelaufträge über den ATZ-Laden, da in diesen Geschäft die Infrastruktur für die Annahme und Abrechnung vorhanden ist und die dortigen ATZ-TeilnehmerInnen im Bereich Verkauf geschult werden.  Die Bügelwäsche wird vom Laden abgeholt, gebügelt und wieder in den Laden zurückgebracht. Für die Annahme und Ausgabe erhält der Laden 3% des Bügelwertes pro Kunden.

Die Einschulung der MitarbeiterInnen erfolgt im ATZ-Laden von den dortigen TrainingsleiterInnen, so dass die gewohnte Qualität gewährleistet wird.

 
Textilveredelung

Die Stickerei wird vom ATZ-Laden übernommen und vom Angebot her erweitert. Neben dem bestehenden Besticken von Textilien und Kappen wird auch das Beflocken von Textilien und der Thermotransferdruck angeboten. Zusätzlich zur Logobestickung soll auch die Fertigung von Applikationen für Textilien aufgebaut werden.

 
Kleinmontagen/Versand

Dieser bereich ist von den Angeboten her vorerst sehr flexibel gehalten. Es wird versucht, Kleinmontageträge aus Industrie und Handel zu erhalten. Neben den Montagen werden lohnintensive Dienstleistungen für Betriebe angeboten, z.B. aus Druckereien. Das Konfektionieren von Kleinteilen für Montage ist ebenfalls ein Angebot dieses Bereiches.
 

8. Welchen Nutzen haben TeilnehmerInnen?

Mit welchen strukturgebenden und aktivierenden Ansätzen das Projekt den TeilnehmerInnen individuelle Angebote stellen möchte, zeigt folgende Aufstellung:

Strukturgebende BeschäftigungDen TeilnehmerInnen soll eine kontinuierlicher Lebensrhythmus durch klare Vereinbarungen im Bereich Arbeit zur Zeitbewältigung angeboten werden.

Ängste und Unsicherheiten sollen durch regelmäßige Arbeit und den dadurch entstehenden Sozialkontakten gemindert werden.

Förderung sozialer Kompetenz als wichtige Voraussetzung für zwischenmenschliche (Arbeits-)Beziehungen.
Sozialarbeiterische Einzelfallarbeit und psychologische BegleitungAngebot einer Bezugsbetreuungsperson

Coaching und Beratung

Vernetzung

Vermittlungsorientierte Begleitung
GruppenarbeitThemenspezifische Gruppenarbeit, ins-besondere über den Umgang mit einer psychischen Erkrankung sowie Krisenbe-wältigung in der Arbeitswelt.
AufwandsentschädigungDie Entlohnung der TeilnehmerInnen in Höhe von 1,80 netto.


Im Auftrag des